GPN4:Lockpicking

aus dem Wiki des Entropia e.V., CCC Karlsruhe
Version vom 10. Juni 2009, 08:28 Uhr von Neingeist (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

ganztägiger Lockpicking-Workshop mit Vortrag und verschiedenen Demonstrationen von Loubna und Clemens, Sportsfreunde der Sperrtechnik Deutschland e.V., Sportgruppe Karlsruhe auf der GPN4.

Vortrag im Gange

Lockpicking - Schlösser öffnen

Lockpicking-Area am Morgen

Lockpicking bezeichnet das Entsperren eines Schlosses, ohne dabei den Schlüssel zu verwenden oder Gewalt anzuwenden. Also die Technik, wie ein Schloß funktioniert und wie man es öffnen kann. Der Begriff "Lockpicking" ist englisch. "Lock" heisst Schloss und "to pick" stochern. Beim Lockpicking ist der Pick eine Werkzeugart.

Am Anfang war das Schloß

Ein Schloß ist eine technische Vorrichtung, die nur den oder die durchläßt, der oder die den Schlüssel hat. Allerdings verschließen nicht alle Schlösser einen Durchgang, manche sind beispielsweise Schalter von Alarmanlagen oder Zündschlösser von Kraftfahrzeugen. Ein Schloß ist jede mechanisch wirkende Einrichtung, die ein Auslösen ohne Zuhilfenahme des dazugehörigen Schlüssels durch einen Schließmechanismus verhindern soll.

Der menschliche Erfindungsgeist hat uns eine ganze Reihe von äußerst unterschiedlichen Schloßtypen beschert. Die Schloßtypen unterscheiden sich hauptsächlich nach der Art der Sperren, Schließmechanismen und der Schlüsselform. Sperren sind beispielsweise die Profilfräsungen im Schloßkern eines Schlosses, die Platten im Bartschloß, welche das Einführen eines falschen Schlüssels verhindern sollen, aber auch Ausprägungen im Kreuzbartschloß, die lediglich Kreuzbartschlüssel mit den richtigen Einkerbungen durchlassen sollen. Als Schließmechanismen sind Stifte wie etwa bei Stift- und Röhrenschaftschlössern, Scheiben wie im Scheiben-, Chubb- oder Kombinationsschloß, magnetische oder elektromagnetische Zuhaltungen möglich. Der Schlüssel hingegen kann flach, mit Profil, zylindrisch sein oder sogar in einer Zahl, einem bestimmten Magnetfeld, einem Funk- oder Infrarotsignal bestehen.

Lockpicker bei ihrer Lieblingsbeschäftigung

Für's Lockpicking sind hauptsächlich Stiftschlösser interessant. Diese findet man häufig in Haus-, Wohnungs- und Kellertüren, aber auch in Garagen, als Bügelschlösser oder, seltener, als Fahrradschloß. Als Schließmechanismus werden Stifte aus Messing oder, zumeist lediglich beim vorderen Stift, gehärteter Stahl verwendet. Letztere sollen dem Verschleiß vorbeugen, den eine häufige Verwendung des Schlüssels zwangsläufig mit sich bringt. Diese Stifte sind zu Stiftsäulen, die aus jeweils zwei Stiften, dem Gehäuse- und dem Kernstift bestehen, zusammengesetzt und von einer Feder in den Kern gedrückt werden. Handelsübliche Stiftschlösser haben 5 Stiftsäulen im Schließkanal, manche Stiftschlösser weniger, manche mehr.

Eine besondere Unterform des Stiftschlosses ist das Bohrmuldenschloß. Bei diesem Schloß weist der Schlüssel auf den flachen Seiten eingebohrte Vertiefungen auf, in welche die Stifte rutschen. Die Verwendung der flachen Seite als Schließfläche ermöglicht die Benutzung von 10 und mehr Stiften und erschwert gleichzeitig die Verwendung normalen Öffnungswerkzeugs.

Werkzeuge und Techniken

Um ein Schloß ohne Verwendung des Schlüssels zu öffnen, muß man mit geeignetem Werkzeug mindestens eine der Schwachstellen von Schlössern ausnutzen. Die größte Schwachstelle ist die Crux jeder mechanischen Einrichtung: nichts paßt 100prozentig genau. Der Kern eines Schlosses hat immer ein wenig Spiel. Aus diesem Grund kann man den Kern auch bei gesperrtem Schließmechanismus um ein paar Grad drehen. Wenn man ein Drehmoment anlegt, kann es passieren, daß sich der Schließmechanismus zwischen Kern und Gehäuse verfängt, so daß man den Kern drehen kann, sobald sich alle Schließmechanismen derart verfangen haben. Schlösseröffnen immer in Richtung vom Riegel weg, Bügelschlösser immer im Uhrzeigersinn. Lediglich manche billigen Bügelschlösser und spezielle Schließzylinderöffnen in beide oder nur in die andere Richtungen.

GPN4-von-loblog.de-1.jpg

Ein Bartschloß kann man einfach mit einem Dietrichöffnen. Dazu fährt man mit dem Dietrich in das Schloß, wobei man das Profil umgeht. Danach drückt man den Dietrich nach außen und dreht den Dietrich; ist das Schloß auf der linken Seite der Tür, so muß man im Uhrzeigersinn drehen, um es zu öffnen, ist es auf der rechten Seite, dreht man zum Öffnen gegen den Uhrzeigersinn.

Schlösser mit einem von außen erreichbaren Kern werden zum Öffnen gespannt. Dazu verwendet man einen Spanner, den es je nach Schloßtyp und Technik in unterschiedlichen Versionen gibt. Der Spanner wird so in der Kernöffnung angesetzt, daß auf diesen ein leichtes Drehmoment in Schließrichtung, also im Uhrzeigersinn, angesetzt werden kann. Von welcher Richtung aus man den Spanner idealerweise ansetzt, ist von Schloß zu Schloß verschieden. Die zum Spannen eines Schlosses notwendige Kraft wird regelmäßig überschätzt, wobei das Schloß sogar beschädigt werden kann. Daher sollte man sich beim Spannen eines Schlosses ständig vergegenwärtigen, daß schon ein Hundertstel Millimeter Differenz darüber entscheiden kann, ob die Stifte vollständig blockieren oder gar durch das angelegte Drehmoment verformt werden. Ein Hebel verstärkt die angelegte Kraft bekanntermaßen im selben Verhältnis, das zwischen den Entfernungen der jeweiligen Bewegung besteht. Wenn wir also den Griff des Spanners um einen Millimeter bewegen, die Kraft aber auf eine Bewegung von einem Hundertstel Millimeter übertragen wird, entspricht die auf das Schloß wirkende Kraft dem Hundertfachen der am Spanner Anliegenden. Als Vorübung zum Spannen sollte man versuchen, zunächst ganz ohne Drehmoment mit einem Öffnungswerkzeug auf den Schließmechanismus drückt und nach und nach minimal mehr Drehmoment anlegt, um festzustellen, wie wenig nötig ist, damit sich die Stifte verfangen.

GPN4-von-loblog.de-2.jpg

Um auf einzelne Schließmechanismen einzuwirken, bieten sich Haken, Halbdiamant, oder Halbrund an. Mit diesen Werkzeugen wird jeweils auf einen einzelnen Schließmechanismus eingewirkt. Ob man das Werkzeug hält wie ein Messer, indem man es zwischen Daumen und Zeigefinger von den Seiten hält, während der hintere Teil des Griffs auf der Handinnenkante liegt, oder wie einen Stift, indem man mit dem Zeigefinger von oben Druck ausübt, bleibt einem selbst überlassen. Wichtig ist, daß man in der jeweiligen Haltung entspannt arbeiten kann. Dazu spannt man das Schloß wie vorhin beschrieben und drückt vorsichtig mit dem vorderen Ende auf den jeweiligen Schließmechanismus. Dabei ist darauf zu achten, keinen seitlichen Druck anzubringen, denn dafür ist allein der Spanner zuständig, andernfalls kann man sein Öffnungswerkzeug, das Schloß oder beides beschädigen.

Zum einzeln Setzen spanne man das Schloß wie oben beschrieben mit dem minimalen Drehmoment und suche jeweils den Stift, der sich am schwersten bewegen läßt, also die maximale Bindung hat. Sobald der Stift gesetzt ist, sollte der Kern sich leicht etwas weiter drehen lassen; nach ein bis drei Stiften steht der Kern in den meisten Fällen sichtbar in einer diagonalen Stellung, das heißt: auf Kipp. Besonders bei Stiftschlössern, deren Stifte Verjüngungen aufweisen, kann man dabei einen Rückholeffekt feststellen: wenn man auf den Stift mit der maximalen Bindung drückt, stellt sich der Kern dabei auf. Prinzipiell ist das zwar ein gutes Zeichen, es steht nämlich dafür, daß man den richtigen Stift drückt. Allerdings muß man darauf achten, daß die bereits gesetzten Stifte nicht wieder in den Kern gedrückt werden.

GPN4-von-loblog.de-3.jpg

Anfänger und Anfängerinnen verwenden beim Entsperren regelmäßig zuviel Kraft. Grund dafür ist mangelndes Training des Feingefühls und Verspannung bei dem Versuch, das Schloß endlich aufzubekommen. Für das erfolgreiche Entsperren von Schlössern ist wenig Kraft nötig, vielmehr braucht man Konzentration und Fingerspitzengefühl. Daher ist es besser, sich zu entspannen.Wenn man ein Schloß mal nicht aufbekommt, sollte man es lieber zur Seite legen, tief durchatmen und sich zeitweise einem anderen Schloß zuwenden.

Gleichgesinnte

Der Sportsfreunde der Sperrtechnik Deutschland e.V. wurde am 9. Februar 1997 gegründet und hat Sportgruppen in verschiedenen Städten: Hamburg, Berlin West, Berlin Ost, Düsseldorf, Köln, Moers, Marburg, Frankfurt, Darmstadt, Nordbaden (Walldorf), Karlsruhe, Stuttgart, Ditzingen/Ludwigsburg, Ulm, Freiburg, München. Außerdem hat der Verein einen regen internationalen Austausch mit TOOL - The Open Organisation of Lockpickers, Niederlande und SPASS - Schlösser Picken Als Schweizer Sport.

Quelle

Die Beschreibungen zu Schlösser, Schliesstechniken und Lockpicking sind zum größten Teil dem Handbuch Sperrtechnik von Alex Kloss in Zusammenarbeit mit dem Sportsfreunde der Sperrtechnik Deutschland e.V. entnommen.

Weitere Literatur, Pressemitteilungen, Berichte und interessante Informationen sind in unserer Linksammlung zu finden.